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Antwort zu den häufigsten Fragen betreffend
der Geschichte des Hauses
Vorwort des Verfassers
In seiner Funktion als Gastronom an diesem historischen Ort im K.u.K. Restaurant
Piaristenkeller - sammelte der Verfasser Komm.-Rat Erich Emberger als der wohl
meistbefragte Zeitgenosse durch eine Reihe von Jahren Material und zeitgeschichtliche
Originalgemälde um seinen Plan zu verwirklichen, den Standort und die Tradition
des Hauses für Wissbegierige zu veranschaulichen und wenn möglich, in
den wichtigsten Weltsprachen in Kurzform zu veröffentlichen, womit mit dieser
Version der Anfang gemacht ist.
Da es ist gewiss nicht allein für den Kreis der Fachleute wünschenswert,
sondern auch von allgemeinem Interesse ist jene geschichtlichen Hintergründe
zu erfahren, welche in den Annalen und Chroniken der geistlichen Häuser und
des Staatsarchives zur Niederlassung dieses Ordenshauses vor 300 Jahren in der
Residenzstadt Wien führten, sollen hier hinter dem soeben von Ihnen angeklickten
Menüpunkt "FAQ" zu den meistgestellten Fragen Kurzantworten zu
finden sein, welche ein wenig die Neugierde benetzen, ohne in wissenschaftliche
Ausarbeitung glänzen zu wollen.
1) Woher stammt der Name des Klosters in dem der Piaristenkeller
sich befindet?
Der Name Piaristen stammt aus der lateinischen Bezeichnung
"Ordo Scholarum Piarum" (Orden der frommen Schulen)
2) Welches Klosterleben hat der Orden?
Im Betreff der Disziplin des Klosterlebens wählte man den Mittelweg zwischen
strengem klösterlichen Leben und der Freiheit der Weltpriester. Als Priesterorden
ist er von seinem Auftrag her auf das Apostolat durch die Schule ausgerichtet.
3) Welche Ziele verfolgt das Kloster und seit wann
gibt es die Patres?
Ende 1597 beschloß Josef von Calasanz gerade 40-jährig die sogenannten
"Frommen Schulen" als Volksschul-Institut zu gründen und errichtete
ein Schulinstitut im Armenviertel Roms für diesen Zweck. Durch seine Beredsamkeit
gelang es ihm mit Zustimmung des Papstes Clemens VIII mit 14 Gehilfen, welche
sämtliche von adeliger Herkunft und von großer Gelehrsamkeit waren
(letzteres Zitat aus der Chronik des geistlichen Rates und Provinzials des österreichischen
Piaristen - Ordensprovinz P.Anton Brendler) Ende 1597 sein Vorhaben zu verwirklichen.
4) Wer war der Gründer des Piaristenordens?
Josef von Calasanz, der Gründer des Ordens wurde am 11. September 1556
zu Peralta de la Sal in Aragonien in Nordspanien geboren. Er promovierte in Philosopie
und Rechtswissenschaften und studierte Theologie, welche Berufung er mit der Priesterweihe
am 17. Dezember 1583 abschloß und in Seu d´Urgell (Nordspanien ) Sekretär
und Generalvikar des Bischofs wurde. Sein als Adeliger ererbtes Vermögen
widmete er den Armen und begab sich als 35-jähriger Priester am 4. April
1592 nach Rom. Bei der in dieser Zeit in Rom pestartig ausgebrochenen Seuche spendete
er unermüdet geistige und leibliche Hilfe, wobei er besonders im Armenviertel
jenseits des Tiber wirkte.
Am meisten aber schmerzte ihn hiebei der Anblick so vieler ohne Aufsicht, ohne
Erziehung und Unterricht auf der Straße müßig herumziehender
armer Kinder.
In Rom erkannte er so die Aufgabe seines Lebens, nämlich das Ziel :
Erziehung und Bildung der Kinder, besonders der vernachlässigten und verwahrlosten
aus der Schicht der "Unterprivilegierten" zu Frömmigkeit und Wissenschaft
(Wahlspruch des Ordens), das heißt - in unsere heutige Sprache übersetzt
- zu einem Leben aus Glauben und Weltverantwortung.
5) Wo hat der Piaristenorden seinen Anfang genommen
und wie verbreitete sich der Schulorden?
Dies geschah in einem Pfarrhaus zu St Dorothea jenseits des Tiber in Trastevere,
dem Armenviertel Roms, wo es ihm gelang, eine Schule, die allen Kindern unentgeltlich
offenstand, einzurichten.
Von seinem Förderer und Gönner dem spanischen Bischof in Seu d` Urgel
wurde dieses Bemühen mit jährlich 2000 Scudi für den Unterhalt
tüchtiger Lehrer und dem Ankauf von Requisiten und Büchern unterstützt.
Seine zukunftsweisende Idee einer "Volksschule für alle" wurde
von den Päpsten Clemens IX, Innocenz XI, Alexander VIII und Clemens XI gefördert
und die von ihm gegründete Gemeinschaft des Ordens bereits 1621 vom Vatikan
anerkannt und mittels der Bulle vom 31. Jänner 1622 vom Papst Gregor XV zu
einem förmlichen Orden bestätigt.
Von zwei Biographen des Josef von Calasanz, nämlich Tossetti und Bonada,
wird berichtet, daß der Großherzog von Florenz, Ferdinand II, die
Könige von Spanien, Philipp IV. und Karl II. sowie Wadislaw IV., König
von Polen und seinem Nachfolger dem Bruder Johann Casimir siche eifrigst bemühten,
die Piaristenschulen in ihren Ländern einzuführen.
Der spätere König von Polen Johann Casimir Wadislaw bat sogar den damaligen
Provinzial P.Oniphrius de Conti in den Orden aufgenommen zu werden, was mit der
Begründung nicht gebilligt wurde, daß er dereinst in der Würde
eines Königs dem Institut mehr nützen könne, wie als Lehrmeister
der armen Kinder.
Als polnischer König regierte Johann Casimir Wadislaw (Sohn des Schwedischen
Königsohns Sigismund - jenem ersten polnischer König aus der Vasa- Dynastie)
als Nachfolger seines Bruders bis 1668, wobei es ihm möglich war, das Ansehen
von Polen als großen und bedeutenden Christenstaat Europas zu bewahren.
Gleichzeitig aber hat er das Königreich in eine Reihe von militärischen
Konflikten verwickelt und den blutigen Bürgerkrieg in der benachbarten Ukraine
nicht verhindert sowie die Festigung der Einflüsse der Magnaten zugelassen,
wobei der enge Bezug zu Österreich und dem Piaristenorden über seinen
Tod hinaus wirksam blieb. Der König starb 1672.
1683, also nur 11 Jahre danach eilte der Polnische König und Feldherr Jan Sobieski
auf Grund des Hilferufes Kaiser Leopold I nach Wien und wirkte erfolgreich bei der Befreiung der Haupt- und Residenzstadt von der Türkenbelagerung mit.
6) Seit wann gibt es dieses Kloster auf diesem Platz
in der Josephstadt und warum heißt dieser Stadtteil von Wien "Josephstadt?
1698, nur 6 Jahre nach der Türkernbelagerung konnte auch hier in der Vorstadt
von Wien - auf dem von der Belagerung verwüsteten Boden - der Grundstein
des Klosters von Majestät Kaiser Leopold I gelegt werden.
1998 wurde dies mit der 300 Jahrfeier als großes Jubiläum und mit einer
Totalrenovierung des Gebäudes und der Basilika gefeiert.
So wie die im Osten Wiens gelegene "Leopoldinische Insel" im 17 Jhdt.
zur steten Erinnerung an den Kaiser Leopold I die "Leopoldstadt" genannt
und die dortige Pfarrkirche dem Hl.Leopold geweiht war, so wurde die nach der
Türkenbelagerung neu gegründete Vorstadt im Westen zur Erinnerung an
die Krönung seines Sohnes Joseph zum römischen König (des ihm nachfolgenden
Kaiser Joseph I), "Josephstadt" genannt und wurde weiters der hl. Joseph
(Ziehvater von Jesus Christus) zum Schutzpatron des Ordens, der Pfarrkirche und
der neuen Vorstadt erklärt.
7) Was bedeuten die Initialien im Wappen der Piaristen?
Josef von Calasanz stellte seinen Orden unter den besonderen Schutz der Mutter
Gottes. Deshalb finden sich im Wappen des Ordens auch die Anfangs- und Endbuchstaben
der Worte "Mutter Gottes" aus dem Griechischen.
8) Seit wann gibt es das Piaristengymnasium in Wien? (von DDr. Harald Uhl)
Kurze Zeit nach der Errichtung eines Klosters und einer Kirche in Wien1697/98, nämlich am 16. November 1701, konnte der Schulorden der Piaristen auf dem heutigen Gelände in der Josefstadt eine Schule mit drei deutschen und zwei lateinischen Klassen eröffnen, die rasch großen Zulauf fand und als humanistisches Gymnasium geführt wurde.
Unter Förderung durch das Kaiserhaus, aber auch in gelegentlichen Konflikten mit dem Jesuitengymnasium in Wien, das stärker an Schülern aus den gehobenen Kreisen der Bevölkerung interessiert war und im Unterschied zu den Piaristen die lateinische Unterrichtssprache bevorzugte, leiteten die Piaristen das Gymnasium bis 1860. Den wechselnden Anforderungen staatlicher Rahmenlehrpläne wurden Unterrichtsfächer und –methoden flexibel angepasst. Eine staatliche Schulreform im Jahr 1860 führte zur Schließung der meisten Ordensgymnasien in Österreich, nur drei wurden als Staatsgymnasien weitergeführt, darunter das Wiener Piaristengymnasium, das sich einen guten Ruf erworben hatte. Die geistlichen Professoren wurdenphasenweise durch weltliche Professoren ersetzt, so dass schließlich - bisheute - nur die Religionslehrer dem geistlichen Stand angehörten.
Das NS-Regime schloss das Gymnasium in den Jahren 1938-1945, doch konnte es nach der Befreiung Österreichs 1945 seine Pforten wieder öffnen. In glanzvollen Feiern und historischen Festschriften wurde 1951 und 2001 des 250- bzw. 300jährigen Jubiläums gedacht.
Zu später berühmt gewordenen Schülern zählen die Dichter Anton Wildgans ( 1881-1932, Gedenktafel am Schulportal) und Max Mell (1882-1971), der Komponist Erich Wolfgang Korngold (1860-1957) und der Dirigent und Operndirektor Clemens Krauss (1893-1954). Als erste weibliche Lehrkraft unterrichtete an der ursprünglich nur männlichen Schülern vorbehaltenen Schule ab 1950 Frau Professor Dr. Gertrude Krizek, erste weibliche Maturantin war 1953 Christine Siebenhandl.
Der aktive Verein der "Alt-Piaristner" hält die Verbindung zu den Absolventen in aller Welt und verbindet Traditionspflege mit der Förderung moderner Unterrichtsansätze.
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